Monday, February 04, 2013

... in diesen Zeiten ...

Pogromstimmung? Geht gar nicht, der Begriff, meint so manche(r), und versteigt sich wohlfeil zum Vorwurf der Geschichtsvergessenheit.

Wenn man mal nur für einen Moment alle instinktiven Empörungsreaktionen, die einem bei Vergleichen, die mit Elementen dieser besonderen Terminologie arbeiten - oft nicht ohne Grund - spontan in den Sinn kommen, bewusst unter Kontrolle hält und sich die Bedeutung der Begriffe "Pogrom" und "Pogromstimmung" sowie den prinzipiellen Unterschied zwischen beiden klar macht, sollte einem dämmern, dass damit bestimmt keine Verhöhnung von Holocaust-Opfern gemeint sein kann. Vielmehr geht es um die Beschreibung einer gesellschaftlichen Situation.

Josef Bordat formuliert das alles viel besser als ich es jemals könnte und legt auch gleich einen "Beweis" dafür nach, dass das Wort von der Pogromstimmung so abwegig nicht sein kann.

Das sollte allen zu denken geben. Wie viel Zivilisationsfirnis ist da noch, und was braucht es, damit er wieder mal johlend runtergerissen wird? Anders gefragt, hat man wirklich nichts aus der Geschichte gelernt?

Zygmunt Bauman hat viele der von Josef Bordat angesprochenen Mechanismen in seinem wirklich empfehlenswerten Buch Dialektik der Ordnung beschrieben. Als Soundtrack zur Lektüre empfehle ich Sir Michael Tippetts Oratorium A Child of Our Time. Bitte auch unbedingt das Libretto ansehen.

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