Monday, October 26, 2009

Reisebericht

Konferenzzeit ist Reisezeit ...

Die diesjährige OOPSLA findet in Orlando, Florida statt. Zum Wetter dort beglückwünsche ich mich nicht: zum Einen ist es dort(bzw. hier, denn dies wird geschrieben im Wartestand am Flughafen in Philadelphia bzw. am Morgen danach im Hotel)zulande Usus, Innenräume per Klimaanlage auf gefühlte minus drei Grad Celsius hinunterzutemperieren; zum Anderen steht laut Wettervorhersage eine Woche voll Gewittern und Regen bei nichtsdestotrotz dreißig Grad Celsius zu erwarten.

Dennoch: die Konferenz selbst verspricht interessant zu werden. Das Wetter und der Veranstaltungsort – das Disney Contemporary Resort Hotel, für einen, der unter etlichen Disney-Elaboraten eigentlich nur die beiden Fantasia-Epen begrüßt, fürwahr ein Ort der Schmerzen – können angesichts der zu erwartenden Begegnungen und Ereignisse gern in den Hintergrund treten.

Die Reise indes gestaltet sich, politisch korrekt und wertneutral ausgedrückt, interessant.

Berlin, Frankfurt, Philadelphia, Orlando – so die Stationen der Reise. In Berlin – Tegel ist nach wie vor einer der effizientesten mir je untergekommenen Flughäfen ob der überraschend geringen Anzahl an Laufmetern, die der Passagier dort für gewöhnlich zurückzulegen hat, ganz im Gegensatz zu Frankfurt – wurde mir sogleich die Ehre zuteil, auf einen früheren Flug nach Frankfurt umgebucht zu werden, denn es sei wegen des Wetters in Frankfurt alles verspätet.

Tatsächlich begann der erste von drei Flügen mit satten zwei Stunden Verspätung. Der Pilot klärte die Mitreisenden darüber auf, dass in Frankfurt mangels Sicht – wegen Nebels nur hundert Meter – die übliche Frequenz von sechzig Flugzeugen pro Minute um ein Drittel auf vierzig reduziert worden sei. Von den Wetterbedingungen konnte man sich dann beim Landeanflug beeindruckend selbst überzeugen: kaum war man aus den Wolken, berührten die Reifen – bei Max Frisch heißen die immer "Pneus" – schon die Landebahn. Salopp ausgedrückt landeten wir in ganz dicker Suppe.

Immerhin war der Anschlussflug nach Philadelphia auch verspätet, so dass der Reise in die US of A nichts im Wege stand. US Airways hatte vor- und fürsorglich etliche Passagiere auf spätere Anschlussflüge umgebucht. In meinem Fall bedeutete das gut und gerne fünf Stunden Aufenthalt auf dem Flughafen Philadelphia. Man riet mir, noch zu versuchen, den eigentlich vorgesehenen Anschlussflug zu erreichen. Nun hieß es also "Geschwindigkeit", denn bis zu dessen Start waren nur noch knapp fünfundvierzig Minuten Zeit.

Davor hat der Herr die Einwanderungsbehörde gesetzt. Erstaunlicherweise ging es dieses Mal nicht nur schnell, sondern ich wurde auch noch von einem gut gelaunten "Immigration Officer", sobald der meines Reisepasses ansichtig wurde, überaus freundlich auf Deutsch begrüßt. Er meinte, er sei schon hin und wieder in Deutschland gewesen, und seine dortigen Kollegen hätten alle so gut Englisch gesprochen, dass er das für eine Selbstverständlichkeit halte.

Derartig eingestimmt und willkommen geheißen – wann passiert das schon einmal? – verlief der Weg zum Gepäckband ganz beschwingt. Nur war mein Gepäck nicht da. Das lange Warten auf die letzten Koffer – die Hoffnung starb zuletzt – verhieß nichts Gutes für den Anschlussflug, und in der Tat war der dann auch nicht mehr zu schaffen.

Fünf Stunden herumsitzen in Philadelphia? Nein danke – und gottlob war ein sehr freundlicher und hilfsbereiter Mitarbeiter von US Airways in der Lage, mich auf einen früheren Flug nach Orlando umzubuchen. Der verlief dann auch problemlos und bot ein erschreckend schönes Naturschauspiel: eine nord-südlich parallel zur Route verlaufende Gewitterfront-Wolkenmasse am dunklen Himmel, darin es gespenstisch wetterleuchtete.

Endlich in Orlando angekommen, durfte natürlich der Weg zum Gepäckschalter nicht fehlen, denn ... "file a claim" heißt das hier schön bürokratisch. Nun ist der Claim also gefilet, und die nette Dame von der Gepäckabfertigung machte mir wenig Hoffnung darauf, dass mein Koffer binnen eines Tages ankommen könnte. Ich wünsche mir, dass sie bei all ihrer Expertise falsch liegt.

Hotel: in Ordnung. Draußen rauschen die Klimaanlagen. Zimmer mit Seeblick: "Black Lake". Schlaf: tief, erholsam, ausreichend trotz Jetlag. Am Morgen die Feststellung: es wird schnell hell hier, so weit südlich.

Jedenfalls trage ich nun die Sachen, die ich schon während der Reise getragen hatte, für noch einen Tag, und es ist schon ein wenig unangenehm. Sollte der Koffer bis heute Abend neun Uhr nicht da sein, darf ich mir für maximal hundertfünfzig Dollar Kleidung besorgen. Na denn. Daumen drücken.

Was von der Reise bleibt, sind – bei allem Stress – einige dankenswerte Begegnungen mit hilfsbereiten und freundlichen Menschen. Und das Hoffen auf eine Gepäcklieferung.

Nachträge am Abend. Das Wetter ist besser als vorhergesagt: keine Gewitter; schwül ist es dennoch. Der Koffer ist inzwischen in Philadelphia gesichtet worden und wird somit voraussichtlich morgen auch mich erreichen, aber ein Einkauf verschiedener Kleidungsstücke musste trotzdem sein. Der erste Konferenztag war klasse. Summa summarum geht es also recht deutlich aufwärts.

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