Tuesday, November 20, 2007

A COLA Tutorial

The COLA programming environment is fairly interesting, honestly. It's a little bit hard to grasp at times, however. To make things a little bit better, I have taken the opportunity of writing a tutorial on the principles applied when implementing programming languages with COLA. It's available (both in text and source code, which is under the MIT license) now.

The language implemented in the tutorial is brainfuck, by the way.

Enjoy it, and please let me know how you like it, reader.

Sunday, November 18, 2007

Dawkins bei Kerner

The God Delusion von Richard Dawkins ist unbedingt lesenswert, egal auf welcher Seite man steht. Für Anhänger der "Church of Dawkins" ist es das heilige Buch, dessen Wortlaut nicht in Zweifel zu ziehen ist, für alle anderen Gläubigen ist das - übrigens wirklich wunderbar geschliffen und argumentativ scharfkantig sowie sprachlich brilliant geschriebene - Buch eine hervorragende Quelle von Informationen darüber, wie die "Gegenseite" tickt. Meine Empfehlung gilt wirklich uneingeschränkt allen, die sich mit Glauben in dieser oder jener Form auseinandersetzen.

Nicht dass man mich missversteht. Dawkins' Thesen sind zwar brilliant vorgetragen und argumentiert, sind auch (bewusst, wie im Vorwort nachzulesen ist) provokant formuliert, aber hin und wieder sind sie dann doch eher von der Art, dass man sich wundern muss, ob es dem Autor beim Schreiben noch ganz gut gegangen sein könne. Dass eine katholische Erziehung Kindesmissbrauch gleichzusetzen sei, ist ein schönes Beispiel. Da gehen Dawkins die sprichwörtlichen Pferde durch, und statt einer provokanten und diskussionswürdigen - weil zum Nachdenken anregenden - These bringt er nur eine Stammtischparole: platt und polemisch ist das, weiter nichts.

Auch argumentiert er - mit der üblichen Eloquenz -, dass es keine Beweise für die Existenz eines wie auch immer gearteten Gottes gebe, und dass man deshalb als vernünftiger Mensch nicht an so etwas glauben solle. (Als kleine Spitze führt er dann noch den geringen Prozentsatz der Religiösen unter den Nobelpreisträgern an, als wenn das irgend etwas beweisen würde. Die entsprechenden Textstellen sind geschickt so formuliert, dass impliziert wird, ein religiöser Mensch könne halt einfach keine herausragenden geistigen Leistungen erbringen. Noch eine Stammtischparole.) In einem der Kernkapitel des Buches - Why there almost certainly is no God - legt er dann auch dar, dass die Wahrscheinlichkeit für die Existenz einer solchen Entität verschwindend gering sei.

Alle für unheilbar krank Gehaltenen, die dann unverhofft doch noch gesund wurden, mögen sich die Konsequenzen vor Augen führen.

Deutlicher: eine geringe Wahrscheinlichkeit beweist auch nicht viel. Sie lässt immer noch einen Spielraum, und letztlich obliegt es jedem Einzelnen, sich zu entscheiden, welcher Seite er nun zuneigt.

Nun war Richard Dawkins also bei Johannes B. Kerner in der Talkshow eingeladen. Da das ZDF mit den "GEZ-Gebühren" auch Anständiges anstellt, kann man sich die gesamte Sendung nach wie vor ansehen. Die übrigen Diskussionsteilnehmer waren Heiner Geißler, Weihbischof Hans-Jochen Jaschke (katholisches Erzbistum Hamburg) sowie Bischof Wolfgang Huber (EKD).

Die Runde war also sehr unausgewogen besetzt. Dawkins war allein auf weiter Flur und hatte gewissermaßen niemanden, der ihm hin und wieder mal die Stange gehalten hätte. Das war schon ziemlich unfair eingefädelt.

Nun traut man Dawkins aber, wenn er auch nur halb so scharfsinnig ist wie sein Buch daherkommt, ohne weiteres zu, dass er auch live mit großer Eloquenz und sehr geschliffen argumentieren kann. Kann er auch, das war in der Sendung deutlich zu sehen. Leider ist es aber bei drei Diskussionsgegnern und einem voreingenommenen Moderator selbst für einen wie Dawkins sehr schwer, ein gutes Bild abzuliefern.

Kerner hat seine Sache aber auch wirklich nicht gut gemacht. Viele interessante Diskussionen wurden im Keim erstickt, was vermutlich der Sendezeit geschuldet war. Auch war der Stil, einzelne Zitate aus Dawkins' Buch zu extrahieren und als Diskussionsgegenstand in den Raum zu stellen, etwas zweifelhaft. Es kommt bei sowas schnell der Verdacht auf, die Zitate seien aus dem Zusammenhang gerissen.

Tatsächlich ist letzteres nur begrenzt der Fall. Die verwendeten Zitate stellen jeweils typische Vertreter von Dawkins' Thesen dar, die in seiner typischen Art zugespitzt formuliert sind und in dieser knappen Form durchaus auch ihrem Inhalt und einem Gebrauch als Diskussionsgegenstand gerecht werden. Das Unfaire an der Sache ist, dass die Argumentationsgebäude hinter den Thesen halt recht umfangreich sind und in der Kürze der Zeit kaum adäquat dargestellt werden können.

Die Sendung war also vom Verlauf her insgesamt eher unbefriedigend. Ich hätte mir erheblich mehr Zeit, eine ausgewogenere Besetzung und eine neutrale Moderation gewünscht. Inhaltlich war es aber doch erfrischend, dass Dawkins auf ebenbürtige Gegner getroffen ist. Die Bischöfe Huber und Jaschke sind ebenso scharfkantig in ihrer Argumentation wie Dawkins und haben ihm den Abend damit durchaus nicht leichter gemacht.

Die Nachwehen der Sendung durchziehen die Netzwelt.

Die diversen Foren u.a. der verschiedenen Sektionen des Christentums sehen ihre Vertreter natürlich im besten Licht (wahllos herausgepickte Quelle). Dawkins irrt natürlich in allen Fragen, ist ein gar böser Antichrist oder so, wird ausfallend ("Nonsense!", "Rubbish!") und was dergleichen mehr an Anwürfen noch vorrätig ist.

Es war eigentlich nicht anders zu erwarten. Das Establishment wehrt sich mit einer gewissen Bräsigkeit und lehnt sich selbstgefällig lächelnd zurück. (Was man in der Sendung, besonders bei den beiden Bischöfen, auch live beobachten konnte.)

Die diversen Foren u.a. der verschiedenen Sektionen der "Church of Dawkins" sehen ihren Vertreter natürlich im besten Licht (wahllos herausgepickte Quelle). Klar haben Geißler, Huber, Jaschke und Kerner ihn nur in Grund und Boden geredet, ohne ihn jemals ausreden oder einen Gedanken zu Ende zu führen zu lassen. All ihre Argumente entbehren selbstverständlich jeder Grundlage, und natürlich ist ihre Argumentation unsachlich, persönlich und - o Weh! - man wirft ihm auch noch Antisemitismus vor, und sowas geht ja schon mal gar nicht in unserer heutigen Medienlandschaft. Neihein. (Dass Bischof Huber den Begriff "Antijudaismus" verwendet hat, und dass er dafür - man schaue sich die Sendung an - durchaus eine logisch nachvollziehbare Begründung hatte, ist natürlich egal.) Mitunter findet man sogar die mitfühlende Bemerkung, Dawkins sei am fraglichen Abend gesundheitlich nicht auf der Höhe gewesen, das habe ja kaum anders verlaufen können.

Es war eigentlich nicht anders zu erwarten. Die armen Unterdrückten quengeln weinerlich umeinand' und lamentieren über die Schlechtigkeit der Welt.

So sind nun also die Fronten nach der Sendung die gleichen wie vorher. Auf keiner Seite hat sich etwas geändert. Das war doch irgendwie auch klar, oder?

Was für eine Lehre soll man nun daraus ziehen? Dass die jeweils Anderen unbelehrbare Spinner sind? Bitteschön, auch das hat man vorher gewusst.

Eigentlich könnte man sich auch gegenseitig einfach in Ruhe lassen.